Geschichte

Wie im asiatischen meist üblich wird vieles, dass von Generation zu Generation mündlich überliefert wurde, immer blümeranter geschildert und aufgebauscht als es in Wirklichkeit der Fall war. Die Geschichte der Erfindung des Ju-Jitsu - der sanften Kunst - gehört dazu und ist schnell erzählt.

“Es war einmal ein junger Chinese namens Li Tei Feng, der während eines heftigen Sturms eine freistehende Weide sah, die sich im Sturm hin und herbog. Dadurch überstand sie den Sturm unbeschadet! Diese Erkenntnis soll Li Tai Feng dazu veranlaßt haben Ju-Jitsu zu entwickeln.”

Im 13. Jahrhundert tauchten die Samurai als bewaffnete Kämpfer in Japan auf. Sie etablierten sich als Kaste, die sich verstärkt der Kriegsführung und den Kampfkünsten widmete.

jap. Schriftzeichen Ju-JitsuJu-Jitsu als Bezeichnung taucht erstmals im 17. Jahrhundert auf, wo es auch erstmals namentlich in Büchern aufgeführt wurde. Jigoro Kano (Begründer des Judo) verfolgte die Entstehung des Ju-Jitsu unter diesem Namen bis in die Zeit zwischen 1600 und 1650 zurück. Unter anderem Namen lassen sich ältere waffenlose Kampfkünste, die später in die verschiedenen Ryu (Schulen) einflossen, noch wesentlich weiter in die japanische Geschichte zurückverfolgen. Hauptsächlich waren es jene Stile, die die frühen Samurai neben ihren Waffenkünsten unterstützten. Den einen Stil, wie man sich das heute gern vorstellt gab es in Japan nicht - es gab viele verschiedene Stilrichtungen, die alle ihre technischen Spezialitäten hatten. Kito ryu Jiu Jitsu betonte z. B. Wurftechniken, Yoshin ryu Schläge und Tritte, Yawara Druck auf empfindliche Körperstellen, Daito ryu (Ursprungssystem des Aikido) und Tenshin Shinyo ryu pflegten Wurf und Grifftechniken.

Bis in die Edo-Zeit (1600-1867) spielten die waffenlosen Kampfkünste wegen der raffinierten Bewaffnung der Samurai, die so gut wie niemals unbewaffnet waren, keine große Rolle und dem einfachen Volk war der Zugang zu irgendwelchen Kampfkünsten schlicht unmöglich. Dennoch betrieben die Samurai neben ihrem täglichen Waffentraining auch Übungen im waffenlosen Zweikampf.

Mit der Meiji-Herrschaft (ab 1868) begann Japans moderne Zeit mit durchgreifenden Reformen. In und um diese Zeit verschwanden viele der bekannten Budo-Schulen, da sie auch von den Reformen betroffen waren. Besonders aber weil in dieser Zeit eine starke Verwestlichung Japans stattfand, in der alles ursprünglich japanische abgelehnt und für rückständig angesehen wurde.

In diesen Zeitraum, genauer um 1900, kam Ju-Jitsu auch nach Europa und Amerika. So wurden bereits um 1900 in Österreich, England und den USA Polizeibeamte von Japanern im Ju-Jitsu unterrichtet. Während eines Besuchs der japanischen Flotte mit zwei Kreuzern 1906 in Deutschland wurde Ju-Jitsu durch deren Besatzung auch dem Kaiser vorgestellt. Kaiser Willhelm, von der Demonstration beeindruckt lud Meister Agitaro nach Berlin ein um an der Hauptkadetten- und Militärakademie zu unterrichten und Erich Rahn gründete 1906 die erste Ju-Jitsu-Schule in Berlin.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges – während beider Weltkriege ruhte die Entwicklung in Deutschland – wurde 1953 der Deutsche Judobund (DJB) gegründet. 

Die WJJF (World Ju-Jitsu Federation Deutschland e. V), deren Mitglied wir sind wurde am 5. Mai 1979 nach mehrjähriger, loser Zusammenarbeit in Brüssel gegründet. Vertreter aus Italien, Deutschland, Frankreich, Belgien und Holland fanden sich unter dem Vorsitz des Präsidenten der British Ju Jitsu Association ein, der bereits weltweite Kontakte pflegte.